Überblick
Österreich ist wie Deutschland vor allem ein Ausgangspunkt, kein Zuzugsziel. Diese Seite dient als Referenz für die österreichische Zielgruppe: Bei Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt greift die unbeschränkte Steuerpflicht auf das Welteinkommen mit einem Spitzensatz von 55 Prozent. Ein echter Vorteil gegenüber Deutschland ist das Fehlen einer Erbschaft- und Schenkungsteuer seit 2008.
Die Republik Österreich (Hauptstadt Wien) ist EU- und Eurozone-Mitglied. Die Währung ist der Euro (EUR). Kernsätze: Einkommensteuer bis 55 Prozent, Körperschaftsteuer 23 Prozent, USt 20 Prozent.
Steuerpflicht in Österreich: unbeschränkt oder beschränkt?
Wann bist du in Österreich unbeschränkt und wann nur beschränkt steuerpflichtig? Und welche Einkünfte musst du dort überhaupt versteuern? Maßgeblich ist die steuerliche Ansässigkeit.
Die unbeschränkte Steuerpflicht wird ausgelöst durch einen Wohnsitz oder den gewöhnlichen Aufenthalt (in der Regel mehr als sechs Monate) in Österreich. Dann unterliegt das Welteinkommen der Besteuerung; ohne diese Anknüpfung besteht nur beschränkte Steuerpflicht auf österreichische Quelle.
Einkommensteuer
Der Tarif ist progressiv bis 50 Prozent (ab rund 105.000 Euro) und erreicht 55 Prozent für Einkommensteile über 1 Mio. Euro.
Kapitalerträge und Veräußerungsgewinne
Kapitalerträge und Veräußerungsgewinne unterliegen der Kapitalertragsteuer (KESt) von 27,5 Prozent.
Krypto-Steuern
Krypto-Erträge werden seit der Reform 2022 grundsätzlich mit dem KESt-Satz von 27,5 Prozent erfasst.
Krypto-Steuern im Detail
Das vollständige Krypto-Steuer-Dossier auf kryptosteuern.info
Körperschaftsteuer
Die Körperschaftsteuer beträgt seit 2024 23 Prozent.
Mehrwertsteuer
Die Umsatzsteuer beträgt 20 Prozent (ermäßigt 10 Prozent und 13 Prozent).
Immobiliensteuern
Österreich ist beim Erwerb mittelteuer und bei der laufenden Grundsteuer eines der günstigsten Länder Europas, weil die Einheitswerte veraltet sind.
Erwerb. Die Grunderwerbsteuer beträgt 3,5 Prozent vom Kaufpreis. Im Familienverband gilt stattdessen ein Stufentarif von 0,5, 2 und 3,5 Prozent auf den Grundstückswert. Hinzu kommt die Grundbuch-Eintragungsgebühr von 1,1 Prozent. Seit dem 1. Juli 2025 sind Share Deals verschärft: Bei Immobiliengesellschaften fallen 3,5 Prozent vom Verkehrswert an, sodass der Umweg über den Anteilskauf die Steuer nicht mehr vermeidet.
Nichtansässige. Ein Ausländerzuschlag besteht nicht. Der Grundverkehr ist Landesrecht, die Bauart ist aber in allen Ländern dieselbe; Tirol steht hier als Beispiel. Nach § 3 Abs. 1 des Tiroler Grundverkehrsgesetzes 1996 sind Staatsangehörige der EU und des EWR den österreichischen Staatsbürgern gleichgestellt, ebenso Inhaber eines Aufenthaltstitels nach Art. 50 EUV; darüber hinaus gilt die Gleichstellung nach Abs. 3 überall dort, wo Unionsrecht oder ein Staatsvertrag sie verlangt, und den Nachweis dafür trägt nach Abs. 4 der Käufer. Alle anderen brauchen nach § 12 eine Genehmigung der Grundverkehrsbehörde, und zwar nicht nur für Eigentum, sondern auch für Baurecht, Fruchtgenuss, Wohnungsgebrauch, eingetragene oder über zehn Jahre laufende Mietrechte und für Gesellschaftsanteile, wenn damit Verfügungsmacht über Baugrundstücke übergeht. Erteilt werden darf sie nach § 13 Abs. 1 lit. c nur, wenn der Erwerb staatspolitischen Interessen nicht widerspricht und ein öffentliches Interesse daran besteht, insbesondere in wirtschaftlicher, kultureller oder sozialer Hinsicht; private Interessen sind angemessen zu berücksichtigen. Die Behörde kann Auflagen und eine Kaution vorschreiben. Dazu kommen die Freizeitwohnsitzbeschränkungen des Raumordnungsrechts, die in den Tourismusgemeinden Tirols, Salzburgs und Vorarlbergs greifen.
Laufende Besteuerung. Die Grundsteuer ist eine Gemeindesteuer. Sie ergibt sich aus dem Grundsteuermessbetrag, berechnet aus dem historisch niedrigen Einheitswert, multipliziert mit einem Hebesatz von bis zu 500 Prozent. Weil die Einheitswerte seit Jahrzehnten nicht angepasst wurden, bleibt die effektive Belastung meist im zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Eurobereich pro Jahr.
Verkauf. Für private Immobilienverkäufe gilt die Immobilienertragsteuer mit einem eigenen Satz; die Behandlung der übrigen Kapitalerträge steht unter Kapitalerträge und Veräußerungsgewinne.
Quelle: Steuern nach Unternehmensserviceportal des BMF, Grunderwerbsteuer (Stand 2026-08-19); Grundverkehr nach Tiroler Grundverkehrsgesetz 1996 in der Fassung LGBl. Nr. 72/2025. Stand: 2026-09-09.
Erbschaft- und Schenkungsteuer
Österreich erhebt seit 2008 keine Erbschaft- und Schenkungsteuer mehr. Bei Immobilien fällt die Grunderwerbsteuer an; für Privatstiftungen gilt die Stiftungseingangssteuer.
Vermögensteuer
Es gibt keine Vermögensteuer.
Doppelbesteuerungsabkommen
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88 umfassende Doppelbesteuerungsabkommen in Kraft (BMF-Liste, Stand 26. Juni 2026). Die Abkommen mit Russland und Belarus bestehen fort, sind aber teilweise ausgesetzt.
Steuertransparenz und Compliance
Stand der Compliance-Daten: 2026
Bewertung für Auswanderer
Österreich ist die zweite Baseline dieses Atlas. Die Welteinkommensbesteuerung mit Spitzensatz 55 Prozent, KESt 27,5 Prozent, KSt 23 Prozent und USt 20 Prozent ist der Rahmen, den die österreichische Zielgruppe durch einen strukturierten Wohnsitzwechsel verlassen will. Das Fehlen der Erbschaftsteuer seit 2008 ist ein realer Vorteil gegenüber Deutschland; bei einem Wegzug ist die österreichische Wegzugsbesteuerung auf Kapitalgewinne zu beachten: bei privatem Kapitalvermögen und Umzug in die EU oder den EWR wird die Steuer auf Antrag zwar festgesetzt, aber erst bei tatsächlicher Veräußerung erhoben (Nichtfestsetzung).
Unsere Einordnung: Rot, als Ausgangspunkt. Hohe Welteinkommensbesteuerung, aber keine Erbschaftsteuer. Die Referenz für die österreichische Zielgruppe.
Weiterführende Ressourcen
Wegzug aus Deutschland
Aus Österreich oder der Schweiz?
Die Wegzug-Links oben behandeln den deutschen Fall. Für dich gilt anderes: Österreich kennt kein Gegenstück zum § 2 AStG und keinen Zehn-Jahres-Nachlauf, dafür greift beim Wegzug die Wegzugsbesteuerung des § 27 Abs 6 EStG auf Beteiligungen, Depots und Kryptowährungen (EU/EWR auf Antrag aufgeschoben, Drittstaat sofort fällig). Die Schweiz beendet die Steuerpflicht mit dem Wegzug und erhebt keine Wegzugssteuer auf Privatvermögen; abgerechnet wird nur über Geschäftsvermögen. Rechtsstand geprüft 13.8.2026.
Neustart mit US-LLC nach dem Wegzug: für Österreicher · für Schweizer