Überblick
Tunesien ist ein nordafrikanischer Staat mit Welteinkommensbesteuerung, einer Einkommensteuer bis 35 Prozent, einer Körperschaftsteuer von 20 Prozent und einer VAT von 19 Prozent. Für die Zielgruppe besonders unattraktiv: eine Vermögensteuer auf höhere Vermögen (ab TND 3 Mio.) und Devisenkontrollen. Kein Auswanderungsziel.
Die Tunesische Republik (Hauptstadt Tunis) liegt in Nordafrika. Die Währung ist der Tunesische Dinar (TND). Kernsätze: Einkommensteuer bis 35 Prozent, Körperschaftsteuer 20 Prozent, VAT 19 Prozent.
Steuerpflicht in Tunesien: unbeschränkt oder beschränkt?
Wann bist du in Tunesien unbeschränkt und wann nur beschränkt steuerpflichtig? Und welche Einkünfte musst du dort überhaupt versteuern? Maßgeblich ist die steuerliche Ansässigkeit.
Die Ansässigkeit wird ausgelöst durch einen Wohnsitz oder einen Aufenthalt von mehr als 183 Tagen. Residenten werden auf das Welteinkommen besteuert, Nicht-Residenten auf tunesische Quelle (Kurzaufenthalter unter sechs Monaten pauschal 20 Prozent).
Einkommensteuer
Progressiv von 0 Prozent bis 35 Prozent, ergänzt um eine Sozialabgabe (CSS).
Kapitalerträge und Veräußerungsgewinne
Veräußerungsgewinne auf Anteile und Immobilien werden je nach Haltedauer mit 10 Prozent bis 15 Prozent besteuert.
Krypto-Steuern
Krypto unterliegt mangels Spezialregelung der allgemeinen Einkommensbesteuerung.
Krypto-Steuern im Detail
Das vollständige Krypto-Steuer-Dossier auf kryptosteuern.info
Körperschaftsteuer
Der allgemeine Körperschaftsteuersatz wurde mit dem Finanzgesetz 2025 von 15 Prozent auf 20 Prozent angehoben (ermäßigt 10 Prozent, erhöht 35 Prozent, Banken/Finanz/Versicherung 40 Prozent).
Mehrwertsteuer
Die VAT beträgt 19 Prozent (ermäßigt 13 Prozent und 7 Prozent).
Erbschaft- und Vermögensteuer
Erbschaften unterliegen Registrierungsgebühren von 2,5 Prozent (Ab-/Nachkommen) bzw. 5 Prozent (Geschwister). Seit dem Finanzgesetz 2023 und 2026 ausgeweitet besteht eine Vermögensteuer auf Immobilien und bewegliches Vermögen ab TND 3 Mio. (0,5 Prozent; über TND 5 Mio.: 1 Prozent).
Doppelbesteuerungsabkommen
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55 umfassende Doppelbesteuerungsabkommen in Kraft (Tunesisches Finanzministerium / DGI, Steuerportal jibaya.tn (Dokumentensammlung Conventions de non double imposition), ergaenzt um die MLI-Ratifikationshinterlegung Tunesiens bei der OECD vom 24.7.2023, Stand 2026-08-19). Registerlage: die DGI-Domain impots.finances.gov.tn antwortet dauerhaft mit HTTP 400 (Host-Ablehnung), der Wayback-Snapshot der verlinkten Seite zeigt nur das Organigramm. Als nationales Register wurde daher jibaya.tn genutzt, das offizielle Steuerportal des tunesischen Finanzministeriums mit der Dokumentensammlung der DGI, ergaenzt um die MLI-Ratifikationshinterlegung Tunesiens bei der OECD vom 24.7.2023. Beide Quellen decken sich vollstaendig: 55 bilaterale Abkommen plus das UMA-Mehrparteienabkommen. UMA: das Abkommen der Staaten der Arabischen Maghreb-Union vom 23.7.1990 ist seit 14.7.1993 in Kraft und erfasst Algerien, Libyen, Marokko und Mauretanien. Zu allen vier Staaten bestehen zusaetzlich eigenstaendige bilaterale Abkommen (DZ 28.5.1986, LY 14.6.1979, MA 26.6.1979, MR 1.1.2000), die Tunesien gesondert notifiziert. Deutsches Instrument: mehrseitiges Maghreb-Abkommen, kein bilaterales DBA; die Chips DZ, LY, MA, MR sind bereits durch die Bilateralen getragen. Mali: die Erwartung, Tunesien habe nicht ratifiziert, wird von der tunesischen Registerlage widerlegt. Tunesien notifiziert das Abkommen vom 28.4.2000 mit Inkrafttreten 20.11.2002, und jibaya.tn fuehrt den Vertragstext in der Konventionssammlung. ML ist daher als Partner gesetzt; unsere ML-Seite, die TN als pending traegt, ist zu korrigieren. Tschechoslowakei-Nachfolge: das Abkommen vom 14.3.1990 (in Kraft 25.10.1991) wird von Tunesien in der MLI-Hinterlegung zweimal aufgefuehrt, einmal fuer Tschechien und einmal fuer die Slowakei. Beide Chips sind damit registergedeckt, obwohl PwC und die tunesische Fachliteratur nur Tschechien nennen. Kamerun: die tunesische Registerlage nennt Unterzeichnung 26.3.1999 und Inkrafttreten 10.5.2006. Die kamerunische Angabe 1.1.2008 weicht ab, beide Seiten fuehren das Abkommen aber als in Kraft. Burkina Faso wie erwartet in Kraft seit 11.4.2013 (Unterzeichnung 15.4.2003). Cote d'Ivoire trat erst am 24.11.2015 in Kraft (Unterzeichnung 14.5.1999). Keine unterzeichneten, aber noch nicht in Kraft getretenen Abkommen feststellbar: alle 56 von Tunesien notifizierten Instrumente tragen ein Inkrafttretensdatum. Die pending-Liste bleibt daher leer. Tuerkei ist in der jibaya.tn-Sammlung als Accord und nicht als Convention betitelt und faellt bei einer reinen Stichwortsuche durch. Das tuerkische Register (GIB, Stand 28.5.2021) bestaetigt Tunesien als in Kraft seit 1.1.1988.
Steuertransparenz und Compliance
Stand der Compliance-Daten: 2026
Bewertung für Auswanderer
Tunesien ist für die Zielgruppe kein Ziel: Welteinkommensbesteuerung bis 35 Prozent, KSt 20 Prozent (Finanz 40 Prozent), VAT 19 Prozent, Devisenkontrollen und, besonders abschreckend, eine Vermögensteuer auf höhere Vermögen.
Unsere Einordnung: Rot. Welteinkommen plus Vermögensteuer auf HNWI. Kein Auswanderungsziel.
Weiterführende Ressourcen
Wegzug aus Deutschland
Aus Österreich oder der Schweiz?
Die Wegzug-Links oben behandeln den deutschen Fall. Für dich gilt anderes: Österreich kennt kein Gegenstück zum § 2 AStG und keinen Zehn-Jahres-Nachlauf, dafür greift beim Wegzug die Wegzugsbesteuerung des § 27 Abs 6 EStG auf Beteiligungen, Depots und Kryptowährungen (EU/EWR auf Antrag aufgeschoben, Drittstaat sofort fällig). Die Schweiz beendet die Steuerpflicht mit dem Wegzug und erhebt keine Wegzugssteuer auf Privatvermögen; abgerechnet wird nur über Geschäftsvermögen. Rechtsstand geprüft 13.8.2026.
Neustart mit US-LLC nach dem Wegzug: für Österreicher · für Schweizer