Überblick
Portugal bleibt eines der großen europäischen Ziele, auch nach dem Ende des alten NHR. Der Nachfolger IFICI (NHR 2.0) bietet qualifizierten Fachkräften 20 Prozent Flat auf portugiesische Erwerbseinkünfte und eine Steuerbefreiung für die meisten Auslandseinkünfte, jeweils für zehn Jahre. Dazu kommen keine Vermögensteuer, keine Erbschaftsteuer für die direkte Familie und Krypto-Gewinne, die nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei sind. Der Haken: IFICI ist enger gefasst als das alte NHR, Rentner und reine Passiv-Anleger sind ausgeschlossen.
Die Portugiesische Republik (Hauptstadt Lissabon) ist EU-, Eurozonen- und Schengen-Mitglied mit hoher Lebensqualität. Die Währung ist der Euro. Standardsätze: Einkommensteuer bis 48 Prozent, Körperschaftsteuer 19 Prozent (Festland, 2026), Mehrwertsteuer 23 Prozent.
Steuerpflicht in Portugal: unbeschränkt oder beschränkt?
Wann bist du in Portugal unbeschränkt und wann nur beschränkt steuerpflichtig? Und welche Einkünfte musst du dort überhaupt versteuern? Maßgeblich ist die steuerliche Ansässigkeit.
Ansässig ist, wer sich mehr als 183 Tage im Land aufhält oder eine gewöhnliche Wohnstätte unterhält. Portugal kennt das partielle Steuerjahr (Ansässigkeit kann unterjährig beginnen oder enden) und schreibt für die IFICI-Ansässigkeit keinen starren Mindestaufenthalt vor.
Einkommensteuer
Der Standardtarif ist progressiv bis 48 Prozent (plus Solidaritätszuschlag für hohe Einkommen). Unter dem IFICI gilt stattdessen ein Flat-Satz von 20 Prozent auf qualifizierte portugiesische Erwerbs- und Selbständigeneinkünfte.
Sonderregime für Zuzügler
Das IFICI (Incentivo Fiscal à Investigação Científica e Inovação), oft NHR 2.0 genannt, ersetzt seit 2024 das alte NHR. Kernpunkte: 20 Prozent Flat auf qualifizierte PT-Erwerbseinkünfte, Befreiung der meisten Auslandseinkünfte (Dividenden, Zinsen, Mieten, Veräußerungsgewinne, Erwerbseinkünfte), Ausnahmen: ausländische Renten (nicht befreit) und Einkünfte aus Blacklist-Jurisdiktionen (35 Prozent). Gültig 10 Jahre. Voraussetzung: keine PT-Ansässigkeit in den fünf Vorjahren und eine qualifizierte Tätigkeit in einem zugelassenen Bereich (Technologie, Forschung, Startups, bestimmte Berufe). Anders als das alte NHR sind Rentner und reine Passiv-Anleger ausgeschlossen.
Kapitalerträge und Veräußerungsgewinne
Kapitalerträge werden regulär mit 28 Prozent besteuert (unter IFICI können ausländische Kapitalerträge befreit sein). Krypto-Gewinne sind nach mehr als einem Jahr Haltedauer steuerfrei für die meisten Fälle.
Krypto-Steuern
Krypto: kurzfristig (unter 1 Jahr) 28 Prozent, nach 1 Jahr Haltedauer steuerfrei für die meisten Fälle.
Krypto-Steuern im Detail
Das vollständige Krypto-Steuer-Dossier auf kryptosteuern.info
Körperschaftsteuer
Die Körperschaftsteuer beträgt 19 Prozent auf dem Festland (2026; Portugal senkt sie auf einem gesetzlich festgelegten Pfad schrittweise von 21 auf 17 Prozent bis 2028). Kleine und mittlere Unternehmen zahlen 15 Prozent auf die ersten 50.000 Euro steuerpflichtigen Gewinns. Hinzu kommen kommunale und staatliche Zuschläge; Madeira und die Azoren bieten niedrigere Sätze.
Mehrwertsteuer
Die Mehrwertsteuer beträgt 23 Prozent, ermäßigt 13 Prozent und 6 Prozent (Madeira/Azoren niedriger).
Immobiliensteuern
Portugal hat den Erwerb durch Nichtansässige zum 1. September 2026 neu geregelt und dabei einen Zuzugsanreiz eingebaut.
Erwerb. Die IMT ist progressiv gestaffelt und erreicht bei städtischem Wohneigentum bis zu 7,5 Prozent, bemessen auf den höheren Wert aus Steuerwert und vereinbartem Preis. Hinzu kommt die Stempelsteuer von 0,8 Prozent. Wer aus einem Niedrigsteuergebiet der portugiesischen Liste erwirbt oder eine dort ansässige Gesellschaft beherrscht, zahlt einen Sondersatz von 10 Prozent; die Regel greift unabhängig von der Höhe des Kaufpreises.
Nichtansässige. Seit dem 1. September 2026 zahlen Nichtansässige einen pauschalen Satz von 7,5 Prozent ohne Staffelung. Die Zahlung ist erstattungsfähig, wenn der Käufer binnen zwei Jahren nach Portugal zieht und die Immobilie zum Hauptwohnsitz macht, ebenso wenn er sie zu moderaten Konditionen von höchstens 2.300 Euro im Monat vermietet. Die Regel belastet also den reinen Anleger und nicht den Auswanderer, und sie hat mit Staatsangehörigkeit nichts zu tun.
Laufende Besteuerung. Die IMI beträgt 0,3 bis 0,45 Prozent des Steuerwerts für städtische und 0,8 Prozent für ländliche Objekte; den Satz legt die Gemeinde innerhalb dieses Bandes fest. Für Gesellschaften aus Niedrigsteuergebieten steigt sie auf 7,5 Prozent. Wer Wohnimmobilien im größeren Umfang hält, zahlt zusätzlich die AIMI: 0,7 Prozent für natürliche Personen, 0,4 Prozent für Kapitalgesellschaften und 7,5 Prozent für Rechtsträger aus gelisteten Jurisdiktionen. Bemessungsgrundlage ist die Summe der Steuerwerte zum 1. Januar. Familien mit Kindern erhalten über die IMI Familiar einen kommunalen Abschlag auf den Grundbetrag.
Verkauf. Für Immobiliengewinne bestehen eigene Regeln mit Reinvestitionsbefreiung für den Hauptwohnsitz; die übrigen Kapitalerträge stehen unter Kapitalerträge und Veräußerungsgewinne.
Quelle: PwC Worldwide Tax Summaries Portugal, Other taxes, einschließlich DL 97/2026. Stand: 2026-09-08.
Erbschaft- und Vermögensteuer
Portugal erhebt keine allgemeine Vermögensteuer (es gibt nur die AIMI auf Immobilien über 600.000 Euro). Eine Erbschaftsteuer gibt es nicht für Ehepartner und direkte Verwandte (Auf- und Absteigende); für andere fällt eine Stempelsteuer von 10 Prozent auf portugiesische Vermögenswerte an.
Sozialversicherung
Die Sozialabgaben (Arbeitnehmer rund 11 Prozent) werden durch keines der Regime reduziert und sind ein oft übersehener Kostenfaktor.
Doppelbesteuerungsabkommen
Mehr anzeigen (60 weitere)
78 umfassende Doppelbesteuerungsabkommen in Kraft (PwC WWTS Portugal (WHT-Tabelle mit Status-Fussnoten), Stand 2026-08-18). Weitere 3 unterzeichnet, aber noch nicht in Kraft. Das Abkommen mit Schweden wurde zum 1.1.2022 beendet. Russland hat zentrale Bestimmungen 2023 einseitig ausgesetzt; das Abkommen besteht fort.
Steuertransparenz und Compliance
Stand der Compliance-Daten: 2026
Bewertung für Auswanderer
Für die Zielgruppe ist Portugal ein erstklassiges EU-Ziel für qualifizierte Fachkräfte und Unternehmer: IFICI mit 20 Prozent Flat und Auslandseinkommens-Befreiung, keine Vermögensteuer, keine Erbschaftsteuer für die direkte Familie, Krypto nach einem Jahr steuerfrei, dazu EU-/Eurozonen-Zugehörigkeit, Schengen, hohe Lebensqualität und eine breite englischsprachige Basis. Der wesentliche Vorbehalt: IFICI ist deutlich selektiver als das alte NHR. Rentner und reine Passiv-Anleger profitieren nicht mehr und zahlen den Standardtarif (bis 48 Prozent).
Unsere Einordnung: Gelb im oberen Bereich für qualifizierte Berufe und Unternehmer (IFICI), spürbar schwächer für Rentner und Passiv-Anleger. Trotz der Verengung weiterhin einer der attraktivsten EU-Standorte mit gutem Gesamtpaket.
Videos
Perspektive Ausland behandelt dieses Land regelmäßig im Podcast und auf YouTube. Eine Auswahl der relevanten Videos:
Weiterführende Ressourcen
Wegzug aus Deutschland
Aus Österreich oder der Schweiz?
Die Wegzug-Links oben behandeln den deutschen Fall. Für dich gilt anderes: Österreich kennt kein Gegenstück zum § 2 AStG und keinen Zehn-Jahres-Nachlauf, dafür greift beim Wegzug die Wegzugsbesteuerung des § 27 Abs 6 EStG auf Beteiligungen, Depots und Kryptowährungen (EU/EWR auf Antrag aufgeschoben, Drittstaat sofort fällig). Die Schweiz beendet die Steuerpflicht mit dem Wegzug und erhebt keine Wegzugssteuer auf Privatvermögen; abgerechnet wird nur über Geschäftsvermögen. Rechtsstand geprüft 13.8.2026.
Neustart mit US-LLC nach dem Wegzug: für Österreicher · für Schweizer