Überblick
Algerien ist für vermögende Auswanderer aus dem deutschsprachigen Raum kein in Frage kommender Standort, und das aus mehreren Gründen gleichzeitig. Der Spitzensteuersatz erreicht 35 Prozent, das Land erhebt eine Vermögensteuer, Kryptowährungen sind verboten, der Dinar ist nicht frei konvertierbar und es gelten strenge Devisenkontrollen. Hinzu kommt die Einstufung auf der grauen FATF-Liste.
Die ölbasierte Wirtschaft, der eingeschränkte Kapitalverkehr und die regulatorischen Hürden machen Algerien zu einem Land, das man aus steuerlicher Sicht der Vollständigkeit halber erfasst, nicht als Ziel empfiehlt.
Steuerpflicht in Algerien: unbeschränkt oder beschränkt?
Wann bist du in Algerien unbeschränkt und wann nur beschränkt steuerpflichtig? Und welche Einkünfte musst du dort überhaupt versteuern? Maßgeblich ist die steuerliche Ansässigkeit.
Die Ansässigkeit wird ausgelöst, wenn du in Algerien deine Wohnstätte (foyer) oder deinen Hauptaufenthaltsort hast, dort deine berufliche Tätigkeit ausübst oder den Mittelpunkt deiner wirtschaftlichen Interessen hast; ergänzend gilt ein Aufenthalt von mehr als 183 Tagen. Residenten werden auf das Welteinkommen besteuert, Nicht-Residenten auf algerische Quelle.
Einkommensteuer
Die IRG ist progressiv ausgestaltet und reicht von 0 Prozent (bis 240.000 DZD) bis zu einem Spitzensatz von 35 Prozent (über 960.000 DZD). Für Nicht-Ansässige greift in vielen Fällen ein pauschaler Quellensteuersatz.
Kapitalerträge und Veräußerungsgewinne
Veräußerungsgewinne werden grundsätzlich wie ordentliches Einkommen besteuert. Je nach Haltedauer können Reliefs greifen (30 Prozent bei bis zu drei Jahren, 65 Prozent bei längerer Haltedauer). Dividenden an Nicht-Ansässige unterliegen einer Quellensteuer von 15 Prozent.
Krypto-Steuern
Kryptowährungen sind in Algerien verboten. Erwerb, Verkauf, Besitz und Nutzung sind seit dem Finanzgesetz 2018 untersagt. Es existiert kein steuerlicher Rahmen, sondern ein gesetzliches Verbot. Hintergründe stehen im Krypto-Dossier.
Krypto-Steuern im Detail
Das vollständige Krypto-Steuer-Dossier auf kryptosteuern.info
Körperschaftsteuer
Die Körperschaftsteuer (IBS) ist nach Tätigkeit gestaffelt: 19 Prozent für Produktion, Bau und Tourismus, 23 Prozent für bestimmte Dienstleistungen, 26 Prozent für Handel und sonstige Aktivitäten.
Mehrwertsteuer
Der Standardsatz der TVA beträgt 19 Prozent, ein reduzierter Satz von 9 Prozent gilt für bestimmte Güter und Leistungen.
Erbschaft- und Schenkungsteuer
Erbschaften und Schenkungen unterliegen Registrierungsabgaben, die für nahe Angehörige niedrig ausfallen. Eine breit angelegte Erbschaftsteuer nach deutschem Muster besteht nicht.
Vermögensteuer
Algerien erhebt eine Vermögensteuer auf das Nettovermögen (vor allem Immobilienvermögen) mit Sätzen von 0 Prozent (bis 100 Millionen DZD) bis 1 Prozent (über 450 Millionen DZD). Das ist ein klarer Negativpunkt gegenüber Ländern ohne Substanzabgabe.
Sozialversicherung
Arbeitnehmer tragen rund 9 Prozent, Arbeitgeber rund 26 Prozent der Bruttolöhne, hinzu kommen Ausbildungs- und Lehrlingsabgaben.
Doppelbesteuerungsabkommen
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38 umfassende Doppelbesteuerungsabkommen in Kraft (PwC WWTS Algeria via Wayback-Snapshot 23.01.2025, korrigiert um Partnerregister (ESTV Schweiz, DJP Indonesien, PwC Bosnien, Qatar GTA/Lexis, China STA), Stand 2026-08-19). Weitere 2 unterzeichnet, aber noch nicht in Kraft. Die Chips fuer Libyen, Marokko und Mauretanien beruhen auf dem multilateralen Steuerabkommen der Arabischen Maghreb-Union (UMA, unterzeichnet 23.07.1990), das PwC als in Kraft fuehrt; mit Tunesien besteht daneben ein bilaterales DBA. PwC fuehrt die Schweiz, Indonesien, Bosnien und Herzegowina, Katar und China nur als unterzeichnet; die Schweiz ist laut ESTV seit 09.02.2009 in Kraft, Indonesien laut indonesischer Steuerverwaltung seit 01.01.2001 wirksam, Bosnien und Herzegowina steht in der PwC-Quellensteuertabelle Bosniens als geltendes DBA, Katar wird im katarischen DBA-Bestand gefuehrt und China fuehrt Algerien in seiner Liste wirksamer Abkommen; alle fuenf wurden daher als in Kraft uebernommen. Das Abkommen mit Daenemark ist seit 2023 in Kraft und wird seit dem 1.1.2024 angewendet (daenisches Gesetz 1354/2023); die Wayback-PwC-Basis kannte es noch nicht. Das Register der DGI (mfdgi.gov.dz) war zum Pruefzeitpunkt nicht erreichbar (DNS-Aufloesung fehlgeschlagen); Basis ist ein Wayback-Schnappschuss der PwC-Seite vom 23.01.2025.
Steuertransparenz und Compliance
Algerien nimmt nicht am CRS teil und hat kein FATCA-Abkommen mit den USA. Im Oktober 2024 wurde das Land auf die graue FATF-Liste gesetzt, was Banken weltweit zu erhöhter Sorgfalt zwingt und den Zahlungsverkehr erschwert.
Stand der Compliance-Daten: 2026
Weiterführende Ressourcen
Beim Wegzug aus Deutschland sind die Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG und die erweiterte beschränkte Steuerpflicht relevant. Für den Wegzug aus Österreich und der Schweiz gelten eigene Regeln, zusammengefasst unter Aus Österreich oder der Schweiz?.
Wegzug aus Deutschland
Aus Österreich oder der Schweiz?
Die Wegzug-Links oben behandeln den deutschen Fall. Für dich gilt anderes: Österreich kennt kein Gegenstück zum § 2 AStG und keinen Zehn-Jahres-Nachlauf, dafür greift beim Wegzug die Wegzugsbesteuerung des § 27 Abs 6 EStG auf Beteiligungen, Depots und Kryptowährungen (EU/EWR auf Antrag aufgeschoben, Drittstaat sofort fällig). Die Schweiz beendet die Steuerpflicht mit dem Wegzug und erhebt keine Wegzugssteuer auf Privatvermögen; abgerechnet wird nur über Geschäftsvermögen. Rechtsstand geprüft 13.8.2026.
Neustart mit US-LLC nach dem Wegzug: für Österreicher · für Schweizer