Überblick
Alderney besteuert wie Guernsey, nur mit einem eigenen, günstigeren Steuerdeckel. Die nördlichste der bewohnten Kanalinseln gehört zur Vogtei Guernsey und übernimmt deren Steuerrecht: eine flache Einkommensteuer von 20 Prozent, keine Kapitalertragsteuer, keine Erbschaftsteuer, keine Vermögensteuer und keine Mehrwertsteuer.
Der eigentliche Reiz für Vermögende liegt im Alderney-Steuerdeckel: Wer sich auf Alderney niederlässt, kann seine Steuerlast auf Auslandseinkommen auf 50.000 GBP pro Jahr begrenzen, deutlich niedriger als die Guernsey-Deckel. In Kombination mit dem freien Immobilienmarkt (anders als in Guernsey gibt es keine Trennung in Local Market und Open Market) macht das Alderney zu einem ruhigen, sehr steuergünstigen Wohnsitz vor der französischen Küste.
Steuerliche Ansässigkeit
Für die Einkommensteuer werden alle Inseln der Vogtei außer Sark wie Guernsey behandelt. Wer auf Alderney ansässig wird, unterliegt dem guernseyschen Einkommensteuerrecht. Maßgeblich sind Aufenthalt und Wohnsitz im Kalenderjahr, mit den Statusstufen resident, solely resident und principally resident.
Das Steuerjahr ist das Kalenderjahr. Neu Zugezogene können bereits im Ankunftsjahr für einen der Steuerdeckel optieren; die Deckel werden im Zu- und Wegzugsjahr zeitanteilig gekürzt.
Einkommensteuer
Die Einkommensteuer beträgt einheitlich 20 Prozent auf das steuerpflichtige Einkommen. Für 2026 gilt ein Grundfreibetrag von 15.200 GBP, der oberhalb eines Einkommens von 85.000 GBP um 1 GBP je 5 GBP abgeschmolzen wird.
Der Alderney-Steuerdeckel begrenzt die Steuer auf Auslandseinkommen (plus guernseysche Bankzinsen) auf 50.000 GBP jährlich. Einkommen aus guernsey- oder alderneyeigenen Quellen, insbesondere aus dort belegenen Immobilien, bleibt vom Deckel ausgenommen und wird mit 20 Prozent besteuert. Wer den Deckel nutzt, verzichtet auf die persönlichen Freibeträge.
Kapitalerträge und Veräußerungsgewinne
Es gibt keine Kapitalertragsteuer und keine Steuer auf Veräußerungsgewinne. Kursgewinne, Immobiliengewinne und sonstige Vermögenszuwächse sind auf Ebene der Insel steuerfrei. Das ist einer der zentralen Vorteile des guernseyschen Systems.
Sonderregime für Zuzügler
Der Alderney-Steuerdeckel von 50.000 GBP ist das Kernargument für einen Zuzug. Er liegt unter den Guernsey-Deckeln (160.000 GBP auf Auslandseinkommen bzw. 320.000 GBP auf das Welteinkommen) und macht Alderney zur günstigsten Wohnsitzoption innerhalb der Vogtei.
Alternativ steht Zuzüglern auf Guernsey-Ebene die Standardabgabe (standard charge) offen: Gegen eine Pauschale von 50.000 GBP (2026) sind ausschließlich Auslandseinkünfte von der Einkommensteuer befreit. Für Alderney-Bewohner ist der Inseldeckel aber in der Regel die einfachere und ebenso günstige Lösung.
Körperschaftsteuer
Es gilt das guernseysche Nullsatzsystem: 0 Prozent Standardsatz für die meisten Unternehmen, 10 Prozent für bestimmte regulierte Tätigkeiten (etwa Bankgeschäfte, Fondsverwaltung) und 20 Prozent für Versorger sowie Einkünfte aus guernseyschem Grundbesitz. Auf Zinsen, Lizenzen und Dienstleistungsentgelte wird keine Quellensteuer erhoben.
Mehrwertsteuer
Es gibt keine Mehrwertsteuer und keine allgemeine Verbrauchsteuer. Weder Guernsey noch Alderney erheben eine VAT oder GST. Das senkt die Lebenshaltungskosten in vielen Bereichen und ist ein weiterer Standortvorteil gegenüber dem EU-Raum.
Erbschaft- und Schenkungsteuer
Es gibt keine Erbschaft- und keine Schenkungsteuer. Nachlässe unterliegen lediglich moderaten Nachlassgebühren (probate fees) für die Nachlassabwicklung, nicht aber einer echten Erbschaftsteuer.
Vermögensteuer
Eine Vermögensteuer wird nicht erhoben. Es gibt keine jährliche Substanzabgabe auf Vermögen.
Sozialversicherung
Es gelten die guernseyschen Sozialversicherungsbeiträge. Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen Beiträge zur Sozialversicherung; wer den Steuerdeckel nutzt und selbständig, nicht erwerbstätig oder im Rentenalter ist, wird bei den Beiträgen mit dem wöchentlichen Höchstsatz veranlagt.
Doppelbesteuerungsabkommen
Alderney teilt das Abkommensnetz der Vogtei Guernsey. Dieses umfasst umfassende Doppelbesteuerungsabkommen mit einer begrenzten Zahl von Staaten, darunter das Vereinigte Königreich sowie mehrere Finanzplätze. Für DACH-Auswanderer ist zu beachten: Mit Deutschland und Österreich bestehen nur Steuerinformationsabkommen (TIEA), kein umfassendes DBA.
Bewertung für Auswanderer
Alderney ist eine der günstigsten legalen Wohnsitzoptionen Europas, nur eben klein und abgelegen. Wer den ruhigen Inselcharakter akzeptiert, bekommt ein Paket, das sonst nur wenige Orte bieten: 20 Prozent Einkommensteuer mit Deckel bei 50.000 GBP, keine Kapitalertragsteuer, keine Erbschaftsteuer, keine Vermögensteuer, keine Mehrwertsteuer und ein freier Immobilienmarkt ohne Wohnrechtsschranken.
Für vermögende Zuzügler mit hohem, überwiegend ausländischem Einkommen ist der 50.000-GBP-Deckel oft günstiger als die Guernsey-Varianten. Zu bedenken sind die Insellogistik (kleine Flugverbindungen, Fähre) und, für Deutsche, die deutsche Wegzugsbesteuerung auf Anteile an Kapitalgesellschaften, die unabhängig vom Inselrecht greift.
Unser Fazit: Grün. Guernsey-Steuervorteile mit dem günstigsten Deckel der Vogtei. Eine ernsthafte Option für alle, denen Abgeschiedenheit nichts ausmacht.
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Weiterführende Ressourcen
Vor einem Wegzug aus dem deutschsprachigen Raum sind die deutschen Regeln zur Wegzugs- und Entstrickungsbesteuerung zu prüfen. Die verlinkten Beiträge liefern die Grundlagen.