Überblick
Guam besteuert Einkommen zu US-Bundessätzen bis 37 Prozent, nur fließt das Geld nach Guam statt nach Washington. Das US-Außengebiet im westlichen Pazifik nutzt einen Mirror Code: Die Guam Territorial Income Tax (GTIT) kopiert den US-amerikanischen Internal Revenue Code, wobei überall „Guam" an die Stelle der „United States" tritt. Die Steuer wird an die Guam Department of Revenue and Taxation (DRT) gezahlt.
Für vermögende Auswanderer ist Guam damit kein Niedrigsteuergebiet, sondern ein Sonderfall mit einem interessanten Detail: IRC § 931 stellt Guam-Quelleneinkünfte von bona-fide-Ansässigen von der US-Bundessteuer frei. Es gibt keine Mehrwertsteuer und keine lokale Erbschaftsteuer, wohl aber die US-Bundeserbschaftsteuer (Guam-Bewohner sind US-Bürger).
Steuerliche Ansässigkeit
Maßgeblich ist der Bona-fide-Residency-Test (IRC § 937) mit drei Elementen: 183-Tage-Präsenz, Steuerheimat (tax home) auf Guam und engere Verbindung (closer connection). Wer diese erfüllt, reicht seine Erklärung ausschließlich bei der Guam DRT ein (Formular 1040GU) und nicht beim IRS. Bona-fide-Ansässige melden ihr weltweites Einkommen an Guam; § 931 nimmt die Guam-Quelleneinkünfte von der Bundessteuer aus.
Einkommensteuer
Es gelten die US-Bundessätze (Tarif 2026: 10 bis 37 Prozent), dieselben Freibeträge, Abzüge und Standardabzüge wie im Bundesrecht, nur zahlbar an Guam. Bestimmte bundesstaatliche Gutschriften (z. B. Earned Income Credit) stehen auf der Guam-Erklärung nicht zur Verfügung. Für US-Bürger ohne Bundessteuerpflicht auf Guam-Einkünfte kann das effektiv eine einzige Erklärung bedeuten, zu US-Sätzen.
Kapitalerträge und Veräußerungsgewinne
Kapitalerträge und Veräußerungsgewinne werden wie im US-Bundesrecht behandelt und im steuerpflichtigen Einkommen erfasst (langfristige Gewinne zu den bekannten US-Vorzugssätzen). Ein gesondertes, günstigeres lokales Regime gibt es nicht. Krypto gilt, wie im US-Recht, als Property.
Körperschaftsteuer
Auch für Gesellschaften gilt der Mirror Code: Die Körperschaftsteuer entspricht dem US-Satz von 21 Prozent. Gesellschaften mit Aktivitäten sowohl auf Guam als auch in einem US-Bundesstaat müssen ihr Einkommen aufteilen und sowohl eine Guam- als auch eine Bundeserklärung abgeben. Für Ansiedlungen bestehen lokale Qualifying-Certificate-Programme mit befristeten Steuervergünstigungen.
Mehrwertsteuer
Es gibt keine Mehrwertsteuer und keine klassische Verkaufsteuer. Stattdessen erhebt Guam eine Business Privilege Tax (BPT), auch Gross Receipts Tax (GRT), auf die Bruttoeinnahmen der Unternehmen. Der Satz beträgt derzeit 5 Prozent und sinkt zum 1. Oktober 2026 auf 4 Prozent. Die BPT ist in die Preise eingepreist und wirkt aus Verbrauchersicht ähnlich einer Verkaufsteuer, wird aber beim Unternehmen erhoben. Hinzu kommen eine Use Tax (5 Prozent) und eine Hotelsteuer (11 Prozent).
Erbschaft- und Schenkungsteuer
Guam erhebt keine eigene Erbschaft- oder Nachlasssteuer. Da Guam-Bewohner jedoch US-Bürger sind, kann die US-Bundeserbschaftsteuer (federal estate tax, bis 40 Prozent) oberhalb des hohen Bundesfreibetrags greifen. Für die Nachlassplanung ist deshalb die Bundesebene entscheidend, nicht das lokale Recht.
Vermögensteuer
Eine Vermögensteuer wird nicht erhoben. Auf Grundbesitz fällt eine Real Property Tax von rund 0,5 bis 1 Prozent an, die im internationalen Vergleich niedrig ist.
Sozialversicherung
Es gelten die US-Bundesabgaben zur Sozialversicherung (FICA, Social Security und Medicare), für Arbeitnehmer wie Selbstständige. Für US-Bürger und -Ansässige besteht damit dieselbe Belastung wie auf dem Festland.
Doppelbesteuerungsabkommen
Guam ist ein US-Außengebiet ohne eigene Doppelbesteuerungsabkommen; die US-Abkommen erstrecken sich in der Regel nicht auf Guam. Maßgeblich sind der Mirror Code und die Bundesregeln, insbesondere die § 931-Freistellung. Für DACH-Auswanderer ist zu beachten, dass der Zuzug nach Guam praktisch ein Zuzug ins US-Steuersystem ist.
Bewertung für Auswanderer
Guam ist US-Besteuerung ohne US-Bundesstaat, kein Steuervorteil, aber auch keine zweite Steuerebene. Wer dort als bona-fide-Ansässiger lebt, zahlt Einkommensteuer zu US-Sätzen (bis 37 Prozent) an Guam, profitiert über § 931 von der Freistellung der Guam-Einkünfte von der Bundessteuer und lebt ohne Mehrwertsteuer, ohne lokale Erbschaftsteuer und ohne Vermögensteuer.
Für DACH-HNWIs ist der Standort selten sinnvoll: Die Steuerlast entspricht dem US-Niveau, die US-Bundeserbschaftsteuer und die FICA-Abgaben greifen, und für Nicht-US-Bürger ist der Zugang ohnehin über das US-Aufenthaltsrecht begrenzt. Guam ist eher ein Thema für US-Bürger, die das Festland verlassen wollen, als für europäische Auswanderer.
Unser Fazit: Gelb. Volle US-Steuersätze auf das Einkommen, aber ohne Mehrwert-, Vermögen- und lokale Erbschaftsteuer. Für Europäer selten die richtige Wahl.
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Weiterführende Ressourcen
Vor einem Wegzug aus dem deutschsprachigen Raum sind die deutschen Regeln zur Wegzugs- und Entstrickungsbesteuerung zu prüfen. Die verlinkten Beiträge liefern die Grundlagen.